Der jungen Journalistin Ellen Weaver bietet sich die Gelegenheit, ein Interview mit einem vom FBI gesuchten Kriminellen zu führen, der als „The Voyeur“ bekannt ist. Er wird beschuldigt mehrere Snuff-Filme gedreht zu haben und versteckt sich vor der Polizei auf seinem abgelegenen Anwesen, wo er mit Hilfe seiner Tötungsmaschine Havoc weitere „Meisterwerke“ erschaffen möchte. Doch nicht nur Ellen ist an dem Voyeur interessiert, sondern auch ein Polizist, der seine Tochter aus den Händen des irren Snuff-Filmers befreien will.
Was sich erstmal nach einer halbwegs vernünftigen Geschichte anhört, entwickelt sich jedoch zu einem veritablen Trash-Desaster mit dümmlicher Story, miesen Darstellerleistungen, überbelichteten blaustichigen und sterilen Bildern und einem nervtötenden Elektro-Score, der völlig planlos in die Szenen integriert wurde. Oh, und natürlich dürfen auch mehrere völlig grundlos in die Kamera gereckte weibliche Brüste nicht fehlen. Professionell sind hier lediglich die wirklich gelungenen Gore-Effekte, die ich lobend erwähnen möchte.
Ansonsten einziges und potentiell unfreiwilliges Highlight ist der absurd-komische und völlig anachronistische Einsatz des Charles-Bronson-Klons Robert Bronzi, der hier in Schlaghosen und Lederjacke umherstolziert, als ob er zeitlich in den Siebzigern hängen geblieben wäre. Er darf über die Laufzeit des Films ungefähr drei Sätze aufsagen, gelegentlich einen (ja, immer nur einen) Schuss auf die ihn verfolgenden Security-Tölpel abgeben (die auch immer nur mit exakt einem Schuss antworten) und sich ansonsten stoisch in der Gegend umsehen, die überwiegend aus einem trockenen Wald voller dünner Bäumchen besteht und vermutlich bei dem kleinsten Funken in Flammen aufgehen würde. Beim titelgebenden Havoc handelt es sich um die übliche übergroße Killertype mit einer aus wessen Haut auch immer zusammen getackerten Maske, der immer eine günstig platzierte Waffe zur Hand hat und ansonsten so dumm ist wie ein Toastbrot.
Selbst die knappe Laufzeit von 85 Minuten ist noch ungefähr 42,5 Minuten zu lang und ich persönlich hätte mich wahrscheinlich besser unterhalten gefühlt, wenn man die Gore-Sequenzen zusammengeschnitten, mit zwei einzelnen Schüssen und starren Blicken von Robert Bronzi umrahmt und das Ganze innerhalb von zwanzig Minuten abgeschlossen hätte.
Der Covertext verspricht: „Titten, Trash und Terror – Regisseur René Perez schickt im vierten Teil seiner PLAYING WITH DOLLS-Reihe seinen ikonischen Killer Havoc in die nächste Runde – diesmal mit Charles-Bronson-Lookalike Robert Bronzi auf der Seite des Guten. Das Ergebnis ist eine Schlachtplatte, die dem geneigten Filmfan eine perfekte Mischung aus FREITAG DER 13. und den Cannon-Actionfilmen der Achtzigerjahre um die Ohren haut. Hart, härter, Havoc – zum ersten Mal ungeschnitten auf Deutsch erhältlich!“
Dabei bin ich dann schon schockiert, dass es sich hier um einen vierten Teil einer Reihe rund um einen denkbar langweiligen Killer. Titten und Trash mögen stimmen, von Terror ist dieser Film Lichtjahre entfernt. Was mir aber wieder einmal zeigt, dass ich definitiv nicht zur geeigneten Zielgruppe für diese Art filmischer Perlen gehöre.
Randnotiz: Laut IMDB hatte dieses Produkt ein Budget von unglaublichen 4 Millionen Dollar – angesichts des mageren Ergebnisses und der generellen Talentfreiheit sämtlicher Beteiligten entweder eine geradezu absurd hohe Summe oder ein Tippfehler in der Datenbank.
CryHavoc
USA 2020
Regie: Rene Perez
Darsteller: Robert Bronzi, Emily Sweet, Richard Tyson, J.D. Angstadt, Linda Bott, John Ozuma u.a.
Laufzeit: 85 min.