Von Gnaghi
Erschüttert vom Krebstod seiner Mutter, danach elternlos und nach einer Kneipenschlägerei von seiner Freundin verlassen einschließlich polizeilich gesucht, fliegt Evan kurzerhand nach Italien, um eine Auszeit zu nehmen. In einem malerischen Küstenstädtchen jobbt er als Bauerngehilfe und verliebt sich in die verführerische Louise, die ein mörderisches Geheimnis birgt und mit der er bald auf der Flucht ist.
Bevor es dazu kommt, beschreiben sie in einem ganz eigenen Ansatz, der sich an die Nouvelle Vague wie das Free Cinema anlehnt, und dessen ungeschönter Realismus nicht einer gewissen trockenen Tragikomik entbehrt, wie Evans vom Krebs gezeichnete Mutter mit einem Witz auf den Lippen stirbt. Tod und Verfall sind stete Begleiter eines gemächlichen Driftens, das mehrfach die Richtung wechselt und in dem alles möglich scheint.
SPRING hat wenig Amerikanisches an sich, sondern etwas sehr Europäisches, wo Altertum, Kunst und Mystik ein leicht okkultes Flair einer alternativen Atmosphäre abgeben, eine rockige, rau-sanfte, schöne Bildsprache (samt schwindeligen Kameraflügen und behänder Montage) die gelösten, doch intim-persönlichen Dialoge und Lebensgespräche begleiten. Was ohne die superben Darsteller niemals seine Wirkung entfalten könnte.
Benson und Moorhead betrachten das medizinische Problem exakt so wie die Indie-Entdeckung SIREN, nur mit dem Atem der Geschichte, der Tragik von Pompeji, der Urkraft von Vulkanen, tiefromantisch, aber unsentimental und frei von falschem Schmalz, eine berückende bizarre Lovestory von hohem cineastischen Wert. Sowie einigen philosophischen Wahrheiten: Wir leben im Hier und Jetzt – und nichts dauert ewig.
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Spring, USA 2014 | Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead, Buch: Justin Benson | Mit: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker, Vanessa Bednar, u.a. | Laufzeit: 109 Minuten, noch kein deutscher Verleih.