Wer mit der Fähre von Finnland nach Schweden kommt, muss durch einen Tunnel gehen, vorbei an der Zollstation. Dort ist der Arbeitsplatz von Tina, eine ruhige, gewissenhafte Beamtin, die die Passagiere mit seltsamen Blicken mustert. Die Frau mit der schwulstigen Stirn, der fleckigen Haut und dem kurzen, struppigen Haar kann deren Gefühle riechen: Ein für andere nicht wahrnehmbares Bouquet aus Scham, Aufregung, Angst erzählt ihr mehr über die gut versteckten Geheimnisse im Gepäck als der beste Röntgenapparat. Sie bringt den Zoll auf die Spur eines Pornoringes. Privat ist Tina aufgrund ihres Äußeren einsam und hat mehr Freunde unter den Tieren des Waldes, in dem ihr Haus steht, als unter Menschen.
Eines Tages kommt da durch die Röhre dieser seltsame Mann, der ihr ähnlich sieht und ein Geheimnis mit ihr zu teilen scheint. Er behauptet, ihre wahre Identität zu kennen. Der Fremde führt sie ein in eine Welt, die sie zugleich fasziniert und schockiert, eine Welt jenseits der Werte, mit denen sie aufgewachsen ist. Und weil der neue Freund so grundlegend anders mit der sozialen Matrix umgeht als sie, muss Tina eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben in Frage stellt.
Die Figur der Tina rettet die Geschichte als Fels in der Brandung. Das ist die eigentliche Überraschung und die Konstante der Geschichte: Eine tief komplexe, interessante und schwierige Figur, die sich selbst treu bleibt noch im Verrat, perfekt verkörpert von Eva Melander, die für die Rolle 18 Kilogramm zugenommen hat und vor jedem Dreh Stunden in der Maske verbringen musste. Sie schafft es, uns dem Fremdartigen anzunähern, ohne ihm seine Andersartigkeit zu nehmen.
BORDER startet in Deutschland am 11. April 2019.
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Border, Schweden/Dänemark 2018 | Regie: Ali Abbasi | Drehbuch: Isabella Ecklöff, Ali Abassi, John Ajvide Lindqvist | Kamera: Nadim Carlsen | Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson, Victor Åkerblom, Matti Boustedt | Laufzeit: 101 Min.