Ein Gespräch mit Horrorregisseur Brandon Christensen.

Brandon Christensen gehört zu jener Sorte von Genre-Filmemachern, die Horror nicht nur erzählen, sondern leben. Seine Werke entstehen oft direkt aus persönlichen Erfahrungen (Elternängsten, Alltagsstress, merkwürdigen Begegnungen), die er in manchmal bitter-komische, manchmal erschütternde Horrorfilme verwandelt. Egal ob postpartaler Albtraum (STILL/BORN, 2017), imaginäre Freunde eines Kindes (Z, 2019) oder die giftige Perfektion einer Influencer-Ära (SUPERHOST, 2021), Christensens Filme besitzen eine ungekünstelte Ehrlichkeit, die im Genre heute eher selten zu finden ist.

Unser Autor Adrian Gmelch hat den Filmemacher schon länger im Blick, besonders seit SUPERHOST, das ihn mit seinem Humor und seiner unangenehmen Nähe sofort packte. Und mit NIGHT OF THE REAPER (2025), einer äußerst liebevoll konstruierten Hommage an die Slasherfilme der 1980er Jahre, die Gmelch inzwischen ebenfalls sehen konnte, hat Christensen endgültig bewiesen, dass er nicht nur starke Themen und Figuren beherrscht, sondern auch ein tiefes Gefühl für Genre-Tradition besitzt.

Im Gespräch zeigt sich Christensen offen, reflektiert und angenehm bodenständig. Er spricht über seine DIY-Wurzeln, seine Vielseitigkeit als Regisseur, Cutter und VFX-Künstler, über seine Rückkehr nach Kanada – und über die enge, fast familiäre Verbundenheit mit anderen Filmemachern wie Colin Minihan und Kurtis David Harder, die gemeinsam eine neue, lose vernetzte Welle kanadischen Horrors prägen.

Adrian Gmelch: Danke, dass du heute hier bei mir bist. Ich würde sagen, du bist in den letzten Jahren zu einer der interessantesten Stimmen im zeitgenössischen Indie-Horror geworden – besonders im Bereich des „Domestic Horror“, elterlicher Paranoia, Ängste und zuletzt auch im Slasher-Bereich. Aber vielleicht stellst du dich einfach erstmal kurz vor. Was ist dein Hintergrund? Wo kommst du her? Und wie hat sich deine Liebe zum Film entwickelt?

Brandon Christensen: Ich bin mit Horrorfilmen aufgewachsen, und ich glaube, alles führt zurück zu der Zeit, als ich fünf oder sechs war und Stephen Kings Miniserie ES (1990) herauskam. Ich weiß nicht warum, aber meine Eltern ließen mich das schauen. Ich war im Kindergarten – und es hat mich acht Jahre lang traumatisiert. Ich erinnere mich an all die Albträume, die ich hatte. Es war immer wieder dieses wiederkehrende Ding: Mein Bruder und ich mussten gegen Pennywise den Clown kämpfen, und dann haben wir seinen Körper in unserem Kleiderschrank aufgehängt. Jedes Mal, wenn ich ins Bett ging, habe ich meinen Schrank aus dem Augenwinkel beobachtet und gedacht: „Oh Gott, er kommt gleich raus und ich muss den ganzen Kreislauf wiederholen.“

Das war etwas, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich hatte immer dieses konstante Grundniveau an Angst – bis zur achten Klasse, als ich ES noch einmal mit ein paar Freunden geschaut habe. Ich hatte so große Angst davor, die Serie erneut zu sehen – und dann, als ich es tat, dachte ich: „Oh, sie ist eigentlich gar nicht so gruselig.“ Ich hatte meine ganze Kindheit Angst vor diesem Ding gehabt. Als ich später zur Serie zurückkam, konnte ich durch die Risse sehen – wie günstig alles gemacht war und wie wenig furchteinflößend es eigentlich war. Aber als ich sechs war, war es das Gruseligste, was ich je gesehen hatte.

Das hat irgendwie ein Loch in mir hinterlassen. Plötzlich wollte ich dieses Gefühl wiederhaben, ich wollte wieder Angst haben. Also fing ich an, jeden Horrorfilm auszuleihen, den ich finden konnte, und schaute alles, was mir in die Hände fiel, nur um dieses Gefühl zurückzubekommen. Du beginnst mit Klassikern wie HALLOWEEN, TEXAS CHAINSAW MASSACRE, solchen Sachen. Das wurde Teil meiner Entwicklung – immer auf der Suche nach dem Nervenkitzel des Fürchtens. Meine Freunde und ich versuchten ständig, uns gegenseitig zu erschrecken. Wir liefen nachts durch dunkle Gassen und sagten: „Mann, wenn Michael Myers jetzt aus diesem Tor käme – was würdest du tun?“ Wir haben uns gegenseitig hochgepusht und diese Angst aufgebaut.

Es war immer Teil meines Lebens; dieses Verlangen, Angst zu spüren. Heute ist es weniger geworden, weil ich selbst Filme mache; es ist ein bisschen anders. Aber ich mag die Vorstellung, jemand anderem dieses Gefühl geben zu können. Das hat vieles von dem beeinflusst, was ich gemacht habe.

Adrian Gmelch: Und du kommst ursprünglich aus Kanada, richtig?

Brandon Christensen: Ja, ich wurde in Calgary, Alberta, geboren und bin dort aufgewachsen.

Adrian Gmelch: Lebst du heute eher in den USA oder noch in Kanada?

Brandon Christensen: Ich bin wieder in Kanada. Ich war 15 Jahre lang in den USA, und 2022 sind meine Familie und ich zurückgezogen.

Adrian Gmelch: Schön. Also beide Hintergründe – USA und Kanada.

Brandon Christensen: Ja.

Adrian Gmelch: Und wo hast du deine Filme gedreht – mehr in Kanada oder in den USA, oder beides?

Brandon Christensen: Beides. Ich habe vier meiner sechs Filme in Kanada gedreht, und THE PUPPETMAN und SUPERHOST in den USA. Schon bevor ich zurückgezogen bin, kam ich immer wieder heim, um Filme zu drehen. Das war cool, denn ich hatte Calgary wegen fehlender Möglichkeiten verlassen. Ich ging für die Filmschule nach Toronto, versuchte dort meinen Weg zu finden – hat nicht funktioniert. Das führte mich nach Las Vegas, wo ich meine Karriere komplett von Null aufgebaut und mich hochgearbeitet habe.

Aber aus irgendeinem Grund bin ich immer wieder nach Hause zurück, um Filme zu machen. Und als wir beschlossen, zurückzuziehen – eine ziemlich verrückte Entscheidung gegen Ende von COVID – fühlte es sich so an, als wäre ich gewachsen und hätte gelernt, dass ich auch dort Filme machen kann. Ich konnte also nach Hause gehen und weiter drehen. Und genau das ist passiert, was wirklich cool ist.

Adrian Gmelch: Deine Karriere ist faszinierend, weil du nicht nur Regisseur und Drehbuchautor bist – du machst auch Special Effects für deine eigenen und andere Filme und bist bei einigen Projekten sogar für den Schnitt zuständig. Wie schaffst du es, all das gleichzeitig zu machen, und wie beeinflusst es deine Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor?

Brandon Christensen: Als ich angefangen habe, wollte ich einfach nur Regisseur sein. Aber heute ist es wirklich schwer, nur Regisseur zu sein – die Konkurrenz ist riesig. Mein Ding wurde dann, Low-Budget-Projekte zu machen. Ich habe 500 Dollar genommen und damit ein Musikvideo gedreht. Ich habe mein Auto mit allem vollgeladen, was ich zum Drehen hatte, bin zu irgendeinem verlassenen Lagerhaus gefahren und habe 20 Stunden lang allein gedreht. Danach ging ich nach Hause und habe es geschnitten. So habe ich mein Geld verdient – sehr wenig Geld, extrem viel Arbeit.

Aber das hat mir beigebracht, wie man budgetiert, wie man mit sehr wenig etwas Großes aussehen lässt, weil ich so viele Jobs gleichzeitig gemacht habe. Ich habe gelernt, wie man Licht setzt, wie man filmt, wie man schneidet. Das wurde Teil meiner Arbeitsweise. Als ich meinen ersten Film gemacht habe, war mein Mindset: Wie machen wir das so billig wie möglich? Weil das alles war, was ich kannte.

Es gab viele Visual Effects, aber wir hatten kein Geld dafür. Also habe ich es einfach gelernt. Ich habe Tutorials online gesucht und extrem schnell sehr viel gelernt. Beim nächsten Film konnte ich größer denken – größere VFX-Ideen – also habe ich auch das gelernt. Jedes Projekt erweitert das, was ich kann.

Nebenbei fing es dann an, dass Indie-Filmemacher mich kontaktierten und sagten: „Hier sind 20 Shots, die gemacht werden müssen.“ Das wurde ein cooler Nebenjob. Ich mag Visual Effects, weil man beim Schreiben, Regieführen oder Schneiden komplett fokussiert sein muss. Aber bei VFX kann ich den Kopf ausschalten und einfach machen. Es ist oft sehr binär – ist der Shot fertig oder nicht? Manchmal ist es kreativer, aber oft ist es eher ein Wegstempeln von Dingen.

Es ist fast therapeutisch. Aber es begann alles damit, dass ich kein Geld hatte und trotzdem etwas machen wollte. So habe ich viele Disziplinen gelernt, auf denen ich heute immer noch aufbaue.

Adrian Gmelch: Ich mag diese DIY-Mentalität sehr. Es erinnert ein bisschen an die David-Lynch-Methode – alles selbst machen. Und man spürt es: Die Filme wirken persönlicher, weil du so viel selbst machst. Lass uns vielleicht zu deiner Filmografie kommen – die ersten beiden Langfilme, STILL/BORN und Z. Das sind eher Domestic-Horror-Filme, die sich mit häuslicher Angst und elterlichen Sorgen befassen. Ich habe beide gesehen und mochte sie sehr – als junger Vater kann ich mit dem Thema viel anfangen. Wie war es, diese Filme zu machen? Was hat dich an Themen wie elterlichen Ängsten gereizt?

Brandon Christensen: Ich habe das selbst gelebt. Als ich STILL/BORN gemacht habe, hatte ich einen Fünfjährigen und ein Baby, das ungefähr ein Jahr alt war. Ich war mitten in diesem postpartalen Wahnsinn, der passiert, wenn man ein Kind bekommt. Ich hatte dieses Bild einer Mutter, die Zwillinge bekommt, aber eines der Babys überlebt nicht. Da entsteht diese seltsame Entkopplung zwischen Mann und Frau. Die neun Monate Schwangerschaft sind harte Arbeit für die Frau – der Mann fühlt das Baby nicht auf dieselbe Weise. Wenn eine Frau Zwillinge trägt, beide liebt, und nur eines kommt auf die Welt, denkt der Mann: „Ich habe doch ein Baby“, und er empfindet den Verlust nicht auf dieselbe Art.

Ich fand das einen spannenden Kontrast, eine andere Art von Verlust und Trauer. Es erzeugte eine Situation, in der sie nicht kommunizieren konnten: Er verstand nicht, warum sie nicht glücklich war, und sie konnte es nicht erklären.

Als ich damit fertig war, habe ich wieder auf mein Leben geschaut. Mein ältester Sohn kam gerade in den Kindergarten, zum ersten Mal den ganzen Tag weg. Er kam mit neuen Ideen und Geschichten nach Hause. Daraus entstand die Idee: Was wäre, wenn er etwas mit nach Hause bringt, das wir nicht gutheißen – und wir keinerlei Kontrolle darüber haben? Was könnte das mit uns machen? Meine Frau und ich haben diese Idee zu Z entwickelt.

Es war also immer: Nimm etwas aus unserem Leben und frag dich: Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte? So komme ich auf Ideen. Wie alt ist dein Kind?

Adrian Gmelch: Fast zwei.

Brandon Christensen: Okay, du bist noch in der frühen Phase, in der sie versuchen, sich ständig selbst umzubringen. Wenn sie älter werden, verändert sich das – dann sorgst du dich auf andere Weise. Wenn sie mehr Freiheit bekommen, ist es schwer vorherzusagen, was sie damit anfangen. Ein Kind geht bei einem Freund die Treppe hoch, kein großes Ding … aber was könnte passieren? Es könnte stürzen. Also übertreiben wir es im Film und treiben es ins Extreme. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht.

Adrian Gmelch: Ich mag, dass beide Filme sehr weiblich zentriert sind. Die Frauen stehen im Mittelpunkt, nicht die Männer! Bei Z fällt mir immer sofort eine Szene ein: wenn die Mutter in der Badewanne ist und sich Z vorstellt – das ist so unglaublich unheimlich! (lacht) Danach kam SUPERHOST. Ein anderes Thema diesmal, eher „Rental Horror“ oder „Airbnb-Horror“. Es gibt mittlerweile viele Filme in diesem Subgenre, etwa BARBARIAN (2022), THE RENTAL (2020) oder auch BONE LAKE (2024). Was hat dich dazu gebracht, dieses Genre und die Sharing-Economy-Ära zu erkunden?

Brandon Christensen: Die Idee kam völlig aus dem Nichts. Ich war auf einem Festival in Toronto für Z und wohnte in einem Airbnb, ein wirklich schönes Condo. Als ich die Toilette benutzte, funktionierte sie nicht. Ich versuchte zu spülen, aber nichts passierte. Ich schrieb dem Host. Er sagte mir, was ich tun solle – funktionierte trotzdem nicht. Also kam er vorbei, mit einem Pömpel, und hat die Toilette entstopft, in die ich gerade gepinkelt hatte, während wir Smalltalk machten. Es war die seltsamste Situation.

Da dachte ich: Was wäre, wenn einer von uns ein Psychopath wäre? Das System ist eigentlich nicht dafür gemacht, dass solche Begegnungen stattfinden. Alles soll automatisiert sein. Aber sobald man diese Wand durchbricht und sich persönlich trifft, wird es merkwürdig.

Ich mochte die Idee eines verrückten Hosts in einem Airbnb. Dann dachte ich an Blogger – Travel-Blogger – und daran, wie jeder versucht, jemand zu sein, der er nicht ist. Das Paar tut so, als wäre es glücklich, ist es aber nicht. Die Gastgeberin spielt die perfekte Hostess, während sie aber viel verheimlicht. Alle lügen. Ich hatte nie vor, einen Influencer-Film zu machen. Es hat sich einfach so ergeben.

Adrian Gmelch: Ja, ich hatte Spaß damit, weil wir alle schon Airbnbs gebucht haben – man kann sich vorstellen, was alles passieren könnte.

Brandon Christensen: Und ich wollte auch nicht der „Mom-Horror-Typ“ werden. Ich wollte nicht noch einen Film über ein zehnjähriges Kind machen. Ich wollte mich weiterentwickeln, also bin ich ein Stück in die Comedy-Richtung gegangen. Etwas Leichtes, Spaßiges.

Adrian Gmelch: Nach SUPERHOST kam THE PUPPETMAN. Diesmal ist es in mancher Hinsicht mehr wie FINAL DESTINATION, und Alison Gorski liefert eine starke Performance. Die Kraft des Films lag wirklich in ihrer Darstellung. Sie hat mich an Maika Monroe in IT FOLLOWS erinnert. Wie bist du an das Projekt herangegangen? Bei einem Final-Destination-artigen Film braucht man schließlich etwas Eigenes.

Brandon Christensen: Das war eine seltsame Situation. Ich war gerade in der Postproduktion von SUPERHOST, und der Produzent von THE PUPPETMAN, Matt Manjourides, hat mich ganz zufällig über Facebook angeschrieben. Er hatte Projekte, die er für Shudder pitchen wollte. Er schickte mir ein paar Loglines – ein Riesenschlangenfilm, ein Riesenalligatorfilm – und dann THE PUPPETMAN: ein Typ kommt nach Hause und tötet seine Frau, ohne Kontrolle über sich selbst zu haben.

Ich sagte ihm, ich würde darüber nachdenken. Ich sprach mit meinem Bruder – wir hatten noch nie zusammen geschrieben – und wir begannen, Ideen hin und her zu werfen. Wir hatten schnell etwas zusammengestellt. Wir schrieben es ohne Druck, ohne echten Plan, es jemals zu machen. Und dann sagte Shudder plötzlich ja, und auf einmal wurde es Realität.

Das war hart, denn all meine Filme davor hatten kleine Besetzungen. Plötzlich hatte ich eine Gruppe von fünf Freunden plus eine Séance-Szene. Große Gruppen zu drehen ist kompliziert – viele sprechende Rollen, Blocking, Bewegung. Es kann schnell explodieren.

Es war ein schwieriger Film. Ich hatte das Drehbuch nicht mit der Absicht geschrieben, es selbst zu drehen, also hatte ich nichts darauf ausgelegt, was ich gut kannte. Wir schrieben Sequenzen ohne irgendeinen Plan für die Umsetzung. Wir hatten nicht das Geld, Dinge richtig zu machen, also wusste ich, dass ich ständig Probleme lösen würde.

Es gab ungefähr 315 VFX-Shots; ich habe etwa 308 davon selbst gemacht. Das hat mich anderthalb Jahre lang komplett aufgefressen. Einige Dinge sind gut geworden – die Feuerszene funktioniert. Die Brückenszene eher nicht; ich habe sie nicht richtig gedreht. Insgesamt war es eine unausgewogene Erfahrung. Ich bin auf vieles stolz und würde anderes am liebsten reparieren.

Es war der größte Misserfolg meiner Filme: Er kam raus, aber niemand interessierte sich gefühlt dafür. Es war eine Lektion: Du musst immer pushen, an alles denken, um Dinge kämpfen. Bei Low Budget kannst du nicht einfach die Leute machen lassen. Du musst eng mit jedem zusammenarbeiten. Der Film hat mir beigebracht, wie man delegiert und größere Sequenzen organisiert. Es war hart, aber ich kam stärker heraus.

Adrian Gmelch: Ich hatte trotzdem Spaß mit dem Film und mochte die Performance. Und ich finde, es ist ein ordentlicher Mix aus FINAL DESTINATION und IT FOLLOWS. Das gefällt mir, originell. Ein deutscher Kritiker meinte etwas abwertend, deine Horrorfilme seien „Standardhorror“. Ich finde das nicht. Für mich hast du eine interessante Indie-Horror-Stimme – authentischer Horror. Deine Filme wirken authentisch. Ich finde, du befindest dich zwischen zwei anderen Horrorströmungen: Elevated Horror und dem Mainstream-Blumhouse-Horror. Eine gute Balance. STILL/BORN und Z hätten Arthouse-Horror sein können, aber sie sind nie überintellektualisiert, was ich sehr schätze.

Brandon Christensen: Naja, ich bin nicht klug genug dafür, wahrscheinlich ist das der Grund. (lacht)

Adrian Gmelch: Nein, aber es gibt inzwischen viele Arthouse-Horrorfilme – zu schwer, zu metaphorisch. Zurückzukehren zu reinem Horror ist gut. Was ist deine Meinung zu Elevated Horror? Nur ein Kritikerlabel oder steckt mehr dahinter?

Brandon Christensen: Ein Teil davon ist definitiv ein Kritikerlabel. Einige Filmemacher – wie die Philippou-Brüder – machen „elevated“ Zeug, weil es anders ist als das Traditionelle. Ich mache eher Standardhorror mit einem Twist. Ich nehme Dinge, die funktionieren, und füge meinen eigenen Blick hinzu.

Robert Eggers und Ari Aster sind einfach klüger als ich. Sie sind talentierter, mit anderen Blickwinkeln. Ich bin ein traditioneller Filmemacher. Ich drehe und schneide wie Filme aus den 80ern und 90ern, weil ich damit aufgewachsen bin. Sie haben eine moderne Sichtweise, die große Publikumsmengen anzieht. Meine Filme sprechen eher Menschen an, die zu meiner Zeit aufgewachsen sind.

Horror ist extrem variantenreich, mit vielen Subgenres. Ich stehe mit niemandem in Konkurrenz. Es gibt Platz für alle. Ich finde langsam meinen Platz. Und es gibt Gründe, warum diese Filmemacher so große, erfolgreiche Filme machen: Sie haben frische Ansätze.

Jordan Peele zum Beispiel trifft Comedy und Horror mit unglaublicher Genauigkeit, weil er sein Handwerk perfektioniert hat. Horror hat keine Grenzen.

Adrian Gmelch: Ich würde auch Osgood Perkins hinzufügen.

Brandon Christensen: Niemand macht Filme wie er. Er ist verrückt – im guten Sinne.

Adrian Gmelch: Übrigens dreht er viel in Kanada.

Brandon Christensen: Ja, stimmt.

Adrian Gmelch: Zwei letzte Fragen. Es scheint eine lose kanadische Horrorwelle zu geben, die sich um dich und Leute wie Colin Minihan oder Kurtis David Harder bildet. Ihr taucht immer wieder in den Credits des jeweils anderen auf. Denkst du, aus eurer Gruppe heraus entsteht eine kanadische Horrorwelle?

Brandon Christensen: Auf jeden Fall. Ich kenne Colin seit den frühen 2000ern – aus Online-Message-Boards. Ich war in der Highschool. Colin war immer weiter als alle anderen – drehte Musikvideos, gewann Preise. Ich war neidisch und habe zu ihm aufgeschaut.

Ich folgte ihm auf MySpace, später auf Facebook. Ich war der nervige kleine Bruder, der immer vorbeischaute. Er war immer hilfsbereit.

2015 hatte er ein Zombiedrehbuch, das in der Wüste spielte. Ich lebte in Las Vegas und meinte, wir sollten es dort drehen. Ich wusste, dass wir dort alles billig bekommen könnten. Ich hatte die Crew. Ich lud ihn und Stuart Ortiz nach Vegas ein, und wir gingen das Drehbuch durch. Es ergab Sinn.

Ich hörte für drei Monate auf, bezahlte Aufträge anzunehmen – habe kein Geld verdient – und habe einfach mit den beiden gearbeitet. Es hat mir unschätzbare Lektionen beigebracht über Regie, für die eigene Vision kämpfen, nicht ohne Grund Kompromisse eingehen.

Als Colin in der Postproduktion war, fragte er mich, ob wir etwas zusammen schreiben sollten. Ich erzählte ihm die Idee für STILL/BORN. Wir entwickelten sie schnell weiter. Er half beim Geldauftreiben. Wir drehten in Calgary, wo Kurtis lebte. Er kam dazu, weil Colin ihn von EXTRATERRESTRIAL kannte. Alles ergab sich ganz organisch.

Wir haben mehrere Filme zusammen gemacht. Dann wuchsen unsere Karrieren. Es ist schwierig, wenn Kurt Regie führen will und ich auch. Manchmal können wir nicht zusammenarbeiten, und das ist völlig okay.

Adrian Gmelch: Ihr bleibt einfach Freunde und macht euer eigenes Ding. Oder ihr werdet wie die Vicious Brothers und inszeniert zusammen.

Brandon Christensen: Ja. (lacht) Colin hat immer noch Digital Interference. Als ich in der Filmschule war, hatten sie eine Demo-Reel-DVD, und ich habe sie im Unterricht gezeigt. Es war immer mein Traum, Teil von Digital Interference zu sein. Für eine kurze Zeit war ich das sogar – ich habe ein paar Filme mit ihnen gemacht. Wir sind immer noch befreundet. Wir sind aus dieser Phase herausgewachsen und unterstützen uns jetzt gegenseitig.

Adrian Gmelch: Du wirst inzwischen als Genrefilmemacher anerkannt – du hast einige Preise gewonnen. Noch ein kurzes Wort zu deinem jüngsten Film NIGHT OF THE REAPER. In Deutschland erscheint er Ende Februar 2026.

Brandon Christensen: Ja, jemand hat ihn dort gekauft – er hat einen Verleih.

Adrian Gmelch: Vielleicht kannst du den Lesern den Film etwas anteasern!

Brandon Christensen: Es ist eine Liebeserklärung an Slashers und Babysitter-Filme der 80er und 90er. Ich habe WHEN A STRANGER CALLS (1979) in der Mittelstufe auf einer Geburtstagsfeier gesehen. Die ersten 20 Minuten haben sich eingebrannt – eine Frau bekommt Anrufe: „Wir haben nach den Kindern gesehen“, ständige Qual, bis sie getötet wird. So ein simples Setup. Ein Mädchen allein im Haus. Du siehst die Kinder nie.

STILL/BORN ist eine Frau in einem Haus. Also passte es irgendwie, einen Babysitter-Film zu machen. Mein Bruder und ich sprachen seit 2020 darüber, noch vor THE PUPPETMAN. Es wurde schon ikonisch oft gemacht, also musst du deinen eigenen Weg finden. Wir nahmen also zwei Filme und mischten sie: ein klassischer Babysitter-Film kombiniert mit einem Police-Procedural, einer Whodunit-Mystery. Am Ende kollidieren beide Stränge und werden zu etwas Eigenem.

Es gibt viele visuelle Referenzen zu anderen Filmen. Ich habe meine Kindheit ausgeschabt und in den Film gesteckt. Wir haben die 80er rekreiert – etwas, das ich noch nie getan hatte. Wir haben coole Musik aus der Zeit, die viel beiträgt.

Die Resonanz ist großartig, wahrscheinlich mein bislang erfolgreichster Film. Es ist ein wahrer „Halloween“-Film geworden; er spielt im Oktober, voller Deko. Leute sagen, er wird ein jährlicher Rewatch, was eine große Ehre ist.

Es war schön, etwas zu machen, das gleichzeitig anders und vertraut ist, und ein paar Dinge von der Wunsch-Liste zu streichen: einen 80er-Film drehen, einen Babysitter-Film drehen und beides zu etwas Überraschendem verbinden.

Adrian Gmelch: Klingt fantastisch. Ich freue mich auf deine nächsten Projekte.

Brandon Christensen: Der nächste nach REAPER ist Found Footage – komplett anders!

Adrian Gmelch: Oh, okay, spannend! Vielen Dank für deine Zeit.

Brandon Christensen: Danke dir.

Fotos: ©
Lighthouse (Night of the Reaper), Hadron Films (Still/Born), Superchill (Superhost)