Das ominöse grüne Licht ist dein Freund.

Lange bevor Charles Band mit dem legendären Produktionsstudio „Full Moon Features“ mordlüsterne Puppen, zeitreisende Noir-Cops und gestörte Lebkuchenmänner auf die Heimkinosäle losgelassen hat und auch noch bevor er mit „Empire International Pictures“ Größen wie TROLL (1986) oder RE-ANIMATOR (1985) produzieren konnte, war er verantwortlich für „Charles Band Productions“. Der Rückblick auf dieses, sein erstes Produktionsstudio sollte jedem vermehrten Respekt vor dem Trash-Mogul einflößen: Ein geschlagenes halbes Jahrhundert schon kann er von sich behaupten, jeden erdenklichen Mentalmüll auf Film zu bannen. Ob das Ganze am Ende zu einem Kultklassiker wird oder zurecht aus dem kollektiven Vorbewusstsein verdrängt wird, ist grundsätzlich vollkommen egal. Wie ein ehemaliger Professor von mir einst meinte: „Nun ja, es wurde getan.“

Neben grauenerregend-mitanzusehenden Sex-Musicals (CINDERELLA, 1977 / FAIRY TALES, 1978) und inhaltlich gänzlich sinnlosen, aber immerhin obskuren Sci-Fi-Horror-Ungetümen (CRASH!, 1977 / LASERBLAST, 1978) hat es gegen Ende der 70er Jahre ein kleines Science-Fiction-Juwel geschafft, aus dem Kontext der Band-Brüder (Richard Band, der unterschätzte Komponist) zu kommen und noch Jahre später zu begeistern. Gemeint ist THE DAY TIME ENDED (1979) von John Cardos.

Handlungsort ist die kalifornische Wüste, besser gesagt die B-Movie-Wüste; in dieser sind alle Arch-Hall-Jr.-Filme entstanden, Roger Corman hat mehrere seiner Filme dort angesiedelt, so auch Charles Band, und später hat das Produktionsstudio The Asylum alle Schönwetterfilme gefühlt rund um dieselben drei Standorte abgedreht, ob es sich nun um das Jahr 2012 handelte oder um Kometen. In dieser Wüste also, fernab jeglicher größeren Zivilisation, wohnen die betagten Eheleute Grant und Ana Williams (Jim Davis und Dorothy Malone). Was genau sie dort tun und wie genau man die eigentümlichen Behausungen und Ställe beschreiben soll, ist ein Rätsel bzw. eine Herausforderung. Jedenfalls begrüßen sie in ihren „modernen“ Häusern Sohn Richard (Christopher Mitchum) und seine Familie, also Frau und junge Tochter (Marcy Lafferty und Natasha Ryan). Auch mit von der Partie ist entweder ein junger Bruder oder ein zu alter Sohn – auf jeden Fall heißt er Steve und hat einen unglücklichen Haarschnitt (Scott Kolden).

Das ist die Ausgangslage für die Geschehnisse, die die restlichen und insgesamt knapp 80 Filmminuten füllen. Da gäbe es zum Beispiel ein offenbar außerirdisches Gebilde, das entfernt an ein grün-leuchtendes Chichén Itzá erinnert und das Pferde verschwinden und wieder auftauchen lassen kann. Die junge Jenny findet sofort einen spirituellen Zugang mit telepathischen Nuancen zu ebenjenem Objekt, ebenso wie zu schwebenden kleinen grünen Männchen, die sich schon bald, zusammen mit wahllos auftauchendem grünem Licht, im Hause der Großeltern einnisten. Dieselben hatten zuvor schon UFOs am Nachthimmel gesehen, eine frühe Warnung vor der dann folgenden „Invasion“ spielzeuggroßer, attackierender Kamera-Raumschiffe, übergroßer, reptilienartiger Kreaturen und dem zunächst alles unterbrechenden psychedelischen, zeit-räumlichen Riss.

Wenn es einen Tag geben würde, an dem die Zeit aufhört zu existieren, könnte man diesen Tag dann überhaupt noch datieren oder überhaupt Tag nennen? Außerdem – was hat das Ende der Zeit mit dem Ende des Films zu tun, in dem die gesammelte Familie auf eine gläserne, futuristische Stadt in der Wüste starrt und offenbar überglücklich ist? Ein „Riss“ im Raum und in der Zeit, der Echsenmänner umherschicken kann, aber auch den kompletten Ort transformiert – in was genau darf man den Riss sehen? Was ist die Fläche für den Riss? Man sieht, THE DAY TIME ENDED wirft so einige Fragen auf, auch zum Beispiel, was der ganze Mist eigentlich soll. Aber gerade mit diesem Gefühl der Nicht-Befriedigung lässt es sich gut leben, diese Lückenhaftigkeit und Beliebigkeit sind lohnende Aspekte des Anschauens. Ein Trashfilm als unbeabsichtigter philosophischer Kommentar. Außerdem viel ominöses grünes Licht – es ist dein Freund!

Dummy

The Day Time Ended
USA 1979

Regie & Drehbuch: John “Bud” Cardos

Drehbuch: Wayne Schmidt, J. Larry Carroll, David Schmoeller
Kamera: John Morrill
Musik: Richard Band
Darsteller: Jim Davis, Dorothy Malone, Chris Mitchum, Marcy Lafferty, Natasha Ryan, Scott C. Kolden u.a.
Laufzeit: 79 min.

Fotos: ©
Wicked Vision