Von David McAllan
Da sitzt er und skizziert rasant, Japans legendärer Zeichentrick-Tenno Hayao Miyazaki (PRINZESSIN MONONOKE, NAUSICAÄ AUS DEM TAL DER WINDE) in Mami Sunadas Dokumentarfilm. Mit weißem Haar, ebensolchem gestutztem Vollbart und Grafikerschürze scherzt er mit seiner Assistentin, der beredte, umgängliche Kreativkönig und Mitbesitzer des berühmten Studio Ghibli, bei der Arbeit zu seinem wehmütigen Abschiedsfilm WIE DER WIND SICH HEBT. Parallel dazu produziert Mitbegründer Isao Takahata, ohne den es die Firma nicht gäbe, ebenfalls sein letztes Werk, DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA, obwohl ihm selbst Miyazaki spöttisch nachsagt, er könne keinen Film vollenden.
Unter den Augen einer weißen Katze – dem Firmenmaskottchen – sowie dem Totoro-Stofftier (aus MEIN NACHBAR TOTORO) erweist sich Miya-san als selbstkritischer Zweifler, der seinen Beruf als großes Hobby ansieht, sich als exzentrisch und manisch-depressiv betrachtet, ein Mann des 20. Jahrhunderts, der die industrielle Zivilisation für verrückt hält und zwanglos philosophiert und sinniert. Auch wenn er glaubt, das Studio werde nach seinem Ausstieg unter der Leitung seines Sohns Goro (DER MOHNBLUMENBERG) auseinanderfallen – Mami findet zu leichten Klavierklängen nicht nur viele kleine Motive und Zwischentöne, sie erlaubt es auch Miyazakis Charisma sich zu entfalten. Es beflügelt und berührt, ganz wie die Magie seiner unvergessenen Filme.
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Yume to kyôki no ôkoku (The Kingdom of Dreams and Madness), Japan 2013 | Regie/Buch: Mami Sunada | Mit: Hayao Miyazaki, Isao Takahata, Goro Miyazaki, u.a. | Laufzeit: 118 Minuten, noch kein deutscher Verleih.