Von Alexander Karpisek
Ein Mann erstarrt in der Steinwüste, passt sich ihr an und bleibt für den Rest des Films am gleichen Fleck. In TRAPPED tritt ein französischer Soldat namens Denis Quilliard in Afghanistan auf eine Tretmine. Er kann nicht weiter. Jede seiner Bewegungen kann den schnellen Tod bedeuten. Er legt vorsichtig die schwere Ausrüstung ab und beweist von nun an Standfestigkeit. Denis trotzt Hunger, Durst, Stürmen, Wadenkrämpfen, Insekten, Sonnenlicht, Finsternis, Hitze und Kälte. Zwischendurch raucht er sich eine an und muss bei akuter Manövrierunfähigkeit einen angreifenden Talibankämpfer abwehren. Seine Lage ist schwierig. In einiger Entfernung von ihm steht ein Transporter, der mit hunderten Kilos Kokain beladen ist. Auf der offenen Ladefläche liegt eine geknebelte Frau, die sich regelmäßig hilfesuchend an Denis wendet, indem sie aus irgendeiner Öffnung seltsame Jammergeräusche herauspresst. Für wenige Minuten hockt noch ein aufdringlicher Junge nutzlos mitten im Tableau.
Denis resigniert also nicht, erreicht über Funk den Minenexperten seiner Basis. Der verrät ihm, dass er zur Entschärfung des russischen Sprengkörpers einen Helfer vor Ort braucht. Dann ein vorläufig letzter Tipp: Den heraufziehenden Sturm abwarten und stehen bleiben. Ein unverbindliches „Du schaffst das!“ (oder so) und das war´s. Kurz darauf aktiviert Denis ein Smartphone und telefoniert – was sonst – mit seiner Frau. Er verabschiedet sich von ihr in codierter Weise, sie wundert sich nur. Das ist alles mühsam mitanzuhören.
Gar nicht störend hingegen sind Momente, wo unter dem Eindruck der Stillstellung der Möglichkeit eines Nichtvorwärtskommenwollens Ausdruck verliehen wird, also der Film nicht einmal mehr so tut, als hätte er Lust herauszufinden, wie es weitergehen müsste. Schön ist wie zweckfrei die An- und Abwesenheit des Kokains vermittelt bleibt. Das hat Sinn. Aus fixierter und damit – man muss es fast so sehen – befreiter protagonistischer Perspektive können die weißen Pakete einfach mal nur dabei sein. Die liegen eine Zeit lang sauber übereinander geschichtet herum und verschwinden danach in angemessener Form. In jener traumwandlerischen Szene wird das vergessene Material von verhüllten Frauen abtransportiert. Aufregung ist was anderes. Denis hat all dem zumindest für ein paar Augenblicke nichts hinzuzufügen. Das wundersame Blau der Burkas betört den ansonsten weiterhin an Herkunft und am Leben hängenden.
Atlas Film hat mit seinem Blu-ray-Release für eine saubere TRAPPED Version gesorgt. Ein träges Making Off gibt’s gratis oben drauf, aber am besten selber überzeugen. Es tut auch nicht weh, denn die französische Produktion ist kein totaler Reinfall. Man kann den Film und seine Schwächen nicht zuletzt aufgrund des attraktiven Hauptdarstellers Pascal Elbé gut ertragen, dessen lässige One-Man-(And-Then-Some-)Show jederzeit den wichtigtuerischen Anfällen Ryan Reynolds (in BURIED) vorzuziehen ist.
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Piégé, Frankreich/Italien 2014, Regie: Yannick Saillet, Mit: Pascal Elbé, Laurent Lucas, Caroline Bal, Arnaud Henriet, Jeremie Galan u.a.
Anbieter: Atlas Film