Von David McAllan
Als der ursprünglich bestellte Überraschungsclown absagt, zieht der liebende Familienvater und Immobilienmakler Kent ein solches Kostüm aus der Truhe eines leerstehenden Hauses an, um seinem Sohn die ersehnte Geburtstagsfreude zu bereiten. Nur um festzustellen, dass er es nicht mehr ausziehen kann und sich in eine blutrünstige Chimäre verwandelt.
Darin wiesen sie frech Eli Roth als Regisseur aus, woraufhin dieser, gemeinsam mit den Weinsteins, als Produzent tätig wurde (und einen Cameo absolviert). Im Ergebnis ist CLOWN eine kleine Perle ohne Feinschliff, verliert erst gegen Ende etwas, weil er immer mehr auf Versatzstücke zurückgreift. Somit ist der für rüde Exploitation berüchtigte Roth (HOSTEL, THE GREEN INFERNO) erstmals an einem guten Genrewerk beteiligt.
Und irrt durch die Dunkelheit, während Körper und Identität sich wie im Cronenbergschen body horror DIE FLIEGE grauenvoll zu verändern beginnen: Die Metamorphose zum Monster, das versucht niemanden zu verletzen, aber Appetit auf Kinder entwickelt und derart auf sie losgeht, wie es sich der enttäuschende CAMP EVIL nicht so recht getraut hat. Einem Heath Ledger als Joker gleich versteckt er sich, das blutdurstige Nachtwesen.
Dessen Ursprünge reißt Watts historisch in der Figur des „Cloynes“ an, ebenso wie die aus Island importierten Dämonenhaut, die um Stormares Figur eine erschreckende Vorgeschichte aufweist. Videoaufnahmen des bedrohlich und beängstigend gestalteten Scheusals verströmen reinen Horror. Die fadenscheinige Slasher-Dramaturgie hingegen wird dem tricktechnisch wie gefühlsmäßig gelungenen Gestaltwandel weniger gerecht.
Why so serious? Der desorientierte, angsterfüllte Kent spuckt auf dem Weg zum Clown braunen Schleim, stinkt, fährt Krallen und spitz gebrochene Zähne aus, ein AMERICAN WEREWOLF, der nichts von der Ikonik eines Kingschen Pennywise aus ES hat, sondern zum verschlagenen Alp wird, dem man nicht trauen darf. Ein wenig EVIL DEAD steckt darin, ungekünstelt düster und so furchteinflößend wie zuletzt nur THE TAKING OF DEBORAH LOGAN.
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Clown, USA/Kanada 2014 | Regie: Jon Watts, Buch: Christopher D. Ford, Jon Watts | Mit: Andy Powers, Peter Stormare, Laura Allen, u.a. | Laufzeit: 100 Minuten, noch ohne deutschen Verleih.