Nordic Noir – wieviel Überraschungen kann das Genre noch bieten? Beim Serienmörderfilm THE ANGEL MAKER erwartet man erst mal gar nichts, ist vorübergehend überraschend interessiert, um schließlich festzustellen, dass es doch ‚same but slightly different‘ war bzw. nicht besonders originell. Ein Killer schnappt sich Frauen, erstickt sie beinahe, indem er ihnen einen durchsichtigen Plastiksack über den Kopf stülpt – um sie dann vor einer Kamera erst richtig brutal abzuschlachten. Wetter wie immer grau bis regnerisch, viel Nacht.
Natürlich sucht auch dieser Serienmörder Anerkennung und filmt dazu seine grauenhaften Morde. Ganz im Stil einer Mordperformance (in Filmen sind Serienmörder ja immer entweder installativ oder performativ). Er zieht die Morde zwar nach Außen, aber zielt dabei auf das Innere der Frauen ab, er schlitzt sozusagen den Körper auf, um das Innere nach Außen zu zeigen. Zu zeigen, dass dort, wo die Babies sein sollten, jetzt nichts ist. Die Welt soll also sehen, dass Frauen „nichts“ haben, wenn sie keine Babies in sich tragen.
Die bekannte dänische Schauspielerin Julie R. Ølgaard hat es sich nicht nehmen lassen, in ihrem Regieerstling auch selber die Hauptrolle zu spielen. Herausgekommen ist allerdings ein sehr durchschnittlicher Krimi, der in einem Ranking guter und schlechter TATORT-Filme wohl nicht mehr als eine Mittelposition innehätte.
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Englemageren, Dänemark 2023 | Regie: Esben Tønnesen, Julie R. Ølgaard | Drehbuch: Yusuf Othman, Julie R. Ølgaard | Kamera: Sophie Caroline Gohr | Musik: Brian Lackey, Peter Seeba | Darsteller: Julie R. Ølgaard, Roland Møller, Christopher Læssø u.a. | Laufzeit: 94 min.