Auch so ein Film auf dem Land, mitten in Frankreich, wie SQUEALERS. Doch nicht das Post-68er-Bauernhaus, das gegen gnadenlose Tierhaltung mobil macht, wird in Julia Kowalskis HER WILL BE DONE Ausgangspunkt der Geschichte, sondern die Emanzipationsversuche junger Frauen in der prekären Umgebung harter Bauernarbeit. Im Zentrum steht eine exilierte polnische Familie, die sich in Frankreich niedergelassen hat und einen kleinen Bauernhof führt. Sie hat sich gut eingelebt in der Umgebung, wird respektiert und Sohn Tomek wird im Verlauf des Films sogar eine Französin aus der Nachbarschaft heiraten. Nur die Mutter fehlt in der Familie. Sie fiel in Polen vermutlich einem Exorzismus zum Opfer.
Sich dem Teufel hingeben. Die Tochter Nawojka (Maria Wrobel) würde zwar nicht so weit gehen, aber fühlt doch, dass sie von einer Macht besessen ist, die sie von ihrer verstorbenen Mutter geerbt hat. Zwar ist sie fleißige Arbeiterin auf dem Feld und verpflegt die Familie, obwohl sie immer wieder von Tomek gehänselt wird – doch wenn sie Verlangen spürt, erwacht die dunkle Macht in ihr. Allerdings leidet sie darunter, genauso wie sie leidet, dass nach und nach die Kühe aus der Herde sterben. Zu ihnen pflegt sie eine liebevolle Beziehung, doch jetzt verendet nach und nach Kuh auf Kuh. Einen seltsamen weißen Schleim absondernd, der ganze Pfützen füllt. Die leidenden Tiere müssen mit der Pistole getötet werden, der eher halbausgebildete Veterinär muss das tun. Zu ihm allerdings scheint Nawojka Zuneigung zu empfinden, eine Beziehung scheint sich anzubahnen, doch sobald die Situation zu delikat wird, fährt ihr Dämon dazwischen. Als Katholikin gibt sie sich nicht irgendwem hin – und außerdem erhält sie vom Vater eine Halskette mit dem heiligen Benedikt, die vor dämonischen Einflüssen schützt (vor Versuchungen, bösen Geistern und negativen Energien).
Als eine geheimnisvolle Frau ins Dorf zieht, ändert sich die Chemie unter den Menschen. Die Einheimischen kennen die Schönheit mit den pinken Haaren, sexy Kleidern, ihren Narben und den exoskelettartigen Binden am Bein, die an Cronenbergs CRASH erinnert, und sehen in ihrer Rückkehr ein schlechtes Omen. Sandra (Roxane Mesquida) ist gekommen, um das Haus der verstorbenen Eltern auszuräumen. Sie hatte einst das Dorf verlassen, nachdem sie auf die Gewalt ihres Partners mit Gewalt reagiert hatte. Ein No-Go, natürlich, und den skepsis- und hasserfüllten Blicken der Dorfbewohner zum Trotz und Nawojkas neugierige Blicke durch Wandlöcher und zerstörten Scheunenwände bemerkend, bedroht sie wie ein Störsender die Verhältnisse. Sie ist nicht nur attraktiv, was mehrere Frauen stört, sie bewegt Männer auch zu wilden Aktionen. An der erwähnten Hochzeit zieht sie nachts mit zwei Typen los, sie schießen auf Hirsche im Wald, auf einen Hund, es wird exzessiv – das Dämonische bricht sich Bahn, und Kowalski schreckt nicht vor drastischen Darstellungen zurück.
Kowalskis toller, authentischer Film mit passender 16mm-Körnigkeit nimmt die Dämonisierung von Frauen als Machtinstrument der männerdominierten Gesellschaft auf, doch was in früheren Zeiten in Polen noch mit Ach und Krach ging (und zu einem Selbstmord führte), lässt sich inzwischen noch weniger aufhalten. Trotzdem ist der Überlebenskampf der Geschlechter (und der Tiere, deren Rolle eine eigene Analyse wert wäre) dynamisch und in Takt. Wie das – zumindest im Film – endet, ist eine Überraschung und wird das an dieser Stelle auch bleiben.
Que ma volonté soit faite.
Frankreich, Polen 2025
Regie: Julia Kowalski
Drehbuch: Simon Beaufils, Julia Kowalski
Kamera: Simon Beaufils
Musik: Daniel Kowalski
Darsteller: Maria Wrobel, Roxane Mesquida, Wojciech Skibinski, Przemyslaw Przestrzelski, Kuba Dyniewicz, u.a.
Laufzeit: 95 min.