Reign in Blood.

Wenn es Mitternacht wird am Filmfestival in Neuchâtel, sind meistens die Filme für Splatterfreunde zwischen härteren Schlachtplättchen und komödiantischen Massakern angesagt. Was unter dem Label „Ultramovies“ läuft, ist allerdings nicht nur platt, sondern erfüllt kreative Ansprüche an die oft festgefahrenen Genrefilme. So funktioniert denn auch Donnie Hobbies JUMP SCARE – als Backwoods-Horrorfilm der circa fünfzehnten Generation – nach allseits bekannten Mustern: Eine Frauen-Metal-Band verschlägt es ins wüstenreiche US-Hinterland, sie übernachten in einem Weiler, in dem nicht die Gebäude, aber sehr wohl die Bewohner mehrere Wände draußen haben.

Erst einmal verstrickt sich die Band, die sich grad wiedervereinigt hat und an einem Album arbeiten will, in musikalische Grundsatzdiskussionen. Bandleaderin Kye (Shannon Dang) möchte mit dem Heavy-Metal-Sound (den wir nie hören werden) weitermachen, die anderen der Band finden Metal inzwischen outdated. Ein wichtiges Thema, vielleicht etwas spät diskutiert, doch mit der Rückkehr von Gitarristin Jen (Erin Ruth Walker) verschieben sich natürlich die Machtverhältnisse und Interessen. Sie sitzen zusammen im Bandbus mit den weiteren Musikerinnen Debbie (Madison Abbott) und Val (Chelsea Talmadge) und dem männlichen Produzenten Dale (Casey Morris), der (soviel sei verraten) nicht viel zum Überlebenskampf beitragen wird (können).

Von einer überschminkten, unangenehm freundlichen Lodgebesitzerin (Natasha Estrada) empfangen, wird sofort bald alles sehr schräg und gewalttätig. Wir haben es mit einer ultrapsychotischen, kannibalistischen Slasherfamilie zu tun, in der keine Klischeefiguren fehlen. Vorteil: Man muss diese Ledergesichter gar nicht erst als Charaktere einführen. Sie sind einfach da. So ist das und basta. Trotzdem ist JUMP SCARE mit genügend Dramaturgie gespickt, dass man das amüsante Blutfest bis am Schluss durchhält.

Was JUMP SCARE (der übrigens keine Jump Cuts hat) tatsächlich gut und in gewisser Weise „neu“ macht, ist die überaus artifizielle Filmsprache, vor allem bei den Außenaufnahmen. Die Nacht ist in Grün und Gelb getaucht, außer der Hütte oder dem größeren Haus der debilen Familie ist kaum je Landschaft zu sehen. Als würden wir uns auf Inseln in einem grün leuchtenden Universum befinden. In gewissen Rezensionen wird das als Referenz auf die 1970er-Jahre-Backwood-Klassiker gesehen, doch Hobbies Filmsprache ist dazu zu radikal. Außerdem wechselt er immer mal wieder die Formate, von 4:3 auf Widescreen, was JUMP SCARE eine gewisse anarchische Note verleiht. Dass die jungen Frauen nicht nur mit Gitarren, sondern auch mit Kettensägen umzugehen wissen und es dabei noch ein paar flotte humorvolle Sprüche absetzt, komplettiert den ganz guten Low Budget Movie. Der hat übrigens nicht nur B-Movie-Legende Eric Roberts im Cast, sondern atmet tatsächlich ein wenig 1980er Low Budget Horror Luft.

Jump Scare
USA 2026
Regie & Drehbuch: Donnie Hobbie
Kamera: Seth Macmillan
Darsteller: Shannon Dang, Eric Roberts, Madison Abbott, Chelsea Talmadge, Casey Morris, Natasha Estrada
u.a.
Laufzeit: 102 min.

Fotos: ©
Ugly Duckling Picutes

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Ugly Duckling Pictures