Don’t hassle the Hoff or he’ll get furious…

…und das will man natürlich nicht, auch wenn es wenig Unterschied machen würde. Denn selbst innerhalb der Filmhandlung macht er nicht viel, außer dass er gegen das tödlichste Gift in der Natur ankämpfen muss, welches ihm von Andrea von Strucker (Sandra Hess) via Kuss verabreicht wurde. Vielleicht dient dieser nicht sonderlich originelle Plot-Einfall auch einfach dazu, David Hasselhoffs zu dieser Zeit schon weniger gesund anmutende und durch Alkohol-Konsum gezeichnete Physiognomie zu rechtfertigen. Dauerschwitzend und mit einer viel zu kleinen und billigen Augenklappe ausgestattet, wird er nämlich vom S.H.I.E.L.D.-Team aus irgendeiner Höhle in Kanada geholt. Dort hat er sich seine Zeit buchstäblich damit vertrieben, mit einer Spitzhacke gegen eine Wand zu schlagen. Dem verhältnismäßig kleinen Loch nach zu urteilen, hat er damit aber auch nur kurz vor Ankunft von Valentina Allegra de Fontaine (Lisa Rinna) angefangen. Wer weiß, vielleicht hat ihm auch Steve RogersGesellschaft geleistet – allerdings in Form von Matt Salinger, zu finden im cool-uncoolen CAPTAIN AMERICA von 1990.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass NICK FURY: AGENT OF S.H.I.E.L.D. (1998) ein Fernsehfilm ist und deswegen natürlich weniger Budget hatte als zum Beispiel – eh – GREEN LANTERN(2011). Auch ist das heutige Publikum wahrscheinlich viel zu eingenommen von dem kollektiven Nick-Fury-Bild, a.k.a. Samuel L. Jackson, ultracool und eigentlich einfach nur Shaft mit Augenklappe. Immerhin ist die fliegende Flugzeugträger-Base der S.H.I.E.L.D.-Agenten überraschend überzeugend CGI-animiert und es gibt einen Jack-Pincer-Klon, der ein 3D-Hologramm aus seinem Mund schießt. Es ist auch in der Tat so, dass die Allgemeinheit der Überzeugung zu sein scheint, dass Superhelden auch immer in Superfilmen auftauchen müssen. Doch dem ist nicht so. Ganz und gar nicht. Vielleicht ist es sogar entsprechend der Funktion eines Superhelden, dass er in egal welcher Form – ob billig oder teuer – auftauchen kann. Immerhin ist der Superheld eine Fiktion für die gesamte Bevölkerung, nicht nur für ein paar Hollywood-Millionäre. Und man weiß ja – jeder kann ein Superheld sein: Ben Affleck kann Batman sein und George Clooney auch; Samuel L. Jackson kann Nick Fury sein und… David Hasselhoff auch.

Doch was ist es eigentlich, das einen so irritiert bei Sonderfällen wie diesem hier oder auch bei BATMAN & ROBIN (1997)? David Hasselhoff und George Clooney sind offenkundig fehlbesetzt, doch was macht das Falsche aus? Letztendlich sind Superhelden in den meisten Fällen vor allem eines: Comicfiguren, also schon an sich abstrakt und auch nicht mit einem durchgängigen Gesicht ausgestattet. Comicfiguren verändern sich, genau wie die Zeichenstile und Konventionen des Genres sich verändern. So gesehen, kann wirklich jeder Batman, Superman, Wolverine oder eben Nick Fury darstellen. Und trotzdem kommt es nicht selten zu „Cringe“-Momenten und die Zuschauerschaft weiß ganz intuitiv: Nein, das und der ist nicht Batman, das und der ist nicht Nick Fury. „Mit Val Kilmer konnte man vielleicht noch leben, aber George Clooney?“ – „Wann fängt Nick an, in Zeitlupe am Strand zu rennen? Und warum singt er nicht, wenn er schon in Berlin ist???“ Vielleicht gibt es auch in der Tat eine Rollen-Chemie. Manche Schauspieler fusionieren buchstäblich mit der Figur, bei anderen wirkt es, als seien sie von einem bösen Geist besessen und versuchten, ihn auszutreiben.

Doch trotz aller Polemik: Der Film macht Spaß, er ist lustig, unterhaltsam, stellenweise gar kreativ und definitiv nicht langweilig. The Hoff scheint durchaus zu verstehen, dass das jetzt nicht die Rolle seines Lebens sein wird und hoffentlich versteht auch ein breiteres Publikum, dass das jetzt nicht der Film der Filme sein sollte. Auch muss natürlich noch hervorgehoben werden, dass dieser Artikel in wohlmeinender Ironie verfasst ist und sich nicht über The Hoffs Alkoholproblem lustig machen möchte – jeder mit Alkoholismus Kämpfende verdient Respekt und Unterstützung. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass der Charme dieses Super-Camp-Films gerade in der Mischung liegt, wesensfremde Elemente zusammenzufügen. Marvel-Spione in einem Fernsehfilm, eine kanadische Produktion mit einem Schauspieler, der buchstäblich Canada heißt (Ron Canada) und eben David Hasselhoff als Nick Fury.

Ganz entscheidend ist schließlich vor allem, dass solche kleinen Unfälle der Filmgeschichte existieren. In einer Zeit, in der das MCU zu einer sich selbst parodierenden Megaindustrie geworden ist, muss man hier und da daran erinnert werden, dass die Comichelden, die dieses Business schamlos ausbeutet, einmal als Helden für alle gedacht waren. Kreative, originelle und farbenfrohe Retter in der Not, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Eine solche Entsprechung braucht es auch in der Filmadaption: kreativ, originell, farbenfroh, mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D.
USA/Kanada 1998

Regie: Rod Hardy

Drehbuch: David Goyer
Kamera: James Bartle
Musik: Kevin Kiner
Darsteller: David Hasselhoff, Lisa Rinna, Sandra Hess, Tracy Waterhouse, Neil Roberts, Ron Canada, Tom McBeath
u.a.
Laufzeit: 120 min.

Fotos: ©
101 Films