Viele Fans klassischer britischer Horrorfilme bekreuzigen sich, wenn der Titel des letzten Gruslers aus dem Hause Hammer Films fällt: DIE BRAUT DES SATANS gilt gemeinhin als Schwanengesang einer einstmals nahezu unfehlbaren Firma, die 1976 aufgrund interner Probleme, des kriselnden englischen Filmmarktes und eines sich wandelnden Publikumsgeschmacks schwer ins Straucheln geraten war. Ob der Film tatsächlich so schlecht wie der ihm vorauseilende Ruf ist, kann man jetzt anhand einer hervorragend gemachten Bluray-Edition aus dem Hause Anolis selbst entscheiden.
Allerdings lag auch DER EXORZIST (1973) noch nicht lange zurück und hatte weltweit Kasse und bleibenden Eindruck gemacht. Wie immer hatten die Italiener als Erste reagiert und blitzschnell Imitate wie VOM SATAN GEZEUGT (1974) oder L’OSSESSA – DAS OMEN DES BÖSEN (1974) auf den Markt gebracht. Die etablierten anglo-amerikanischen Studios brauchten etwas länger um auf den Trend zu reagieren, Mitte der Siebziger waren bei 20th Century Fox Richard Donners DAS OMEN und bei Universal Pictures Michael Winners HEXENSABBAT noch in der Produktion.
Die Buchvorlage zu DIE BRAUT DES SATANS stammt vom erfolgreichen britischen Vielschreiber Dennis Wheatley (1897-1977), der vor allen Dingen mit Thrillern und okkulten Stoffen reüssierte. Hammer und Wheatley waren keine Fremden, denn auch die Buchvorlage zum in Deutschland ähnlich betitelten DIE BRAUT DES TEUFELS aka THE DEVIL RIDES OUT (1968) stammte von ihm. Ursprünglich hatte Hammer DIE BRAUT DES SATANS als Episode einer Wheatley-TV-Anthologie mit dem Titel THE DEVIL AND ALL HIS WORKS geplant, aber als DER EXORZIST weltweit Kasse machte, wandelte Hammer die Idee in ein Kinoprojekt um und holte als Co-Produzenten die britische EMI und die deutsche Terra-Filmkunst mit ins Boot. Am Ende stand dann aber leider ein Film, der zwar angemessen Geld an der Kinokasse machte, wovon aber so viel an die Co-Produzenten weiterfloss, dass es Hammer nicht gelang, finanziell wieder auf solide Beine zu kommen. Die Kritiken waren, wie bei Filmen dieser Art üblich, durchwachsen. Unangenehm war für Hammer allerdings, dass Autor Wheatley den Film so sehr ablehnte, dass er der Firma öffentlich verbot, jemals wieder eines seiner Bücher zu verfilmen. Ein Jahr später verstarb er.
Die größte Schwäche des Filmes zeigt sich in der nicht klar ausgearbeiteten Motivation des Hauptbösewichtes, eines von Christopher Lee großartig finster gespielten ehemaligen Priesters. Der plant nicht weniger als die Auferstehung des Höllendämons Astaroth. So weit, so böse, aber wie genau das geschehen soll, wird im Laufe des Filmes immer undurchsichtiger und nimmt dem an sich bedrückenden und spannenden Geschehen einiges an Kraft. Vor Jahren überredete der Priester einen Vater, ihm die Seele seiner Tochter, gespielt von Nastassja Kinski, zu überschreiben, damit sie an ihrem achtzehnten Geburtstag auch Astaroths Geburt vollziehen kann. Allerdings gibt es da auch noch eine Leihmutter die sterben muss, eine rituelle Schwängerung Kinskis à la ROSEMARYS BABY und eine erstaunlich horrible Szene, in der Kinski einen gruseligen roten Fötus in ihren eigenen Leib hineindrückt. Kurzum, die Strategie des teuflischen Priesters wird nicht ganz klar, und wenn der Zuschauer, das gilt auch für einen phantastischen Film, derart im Dunkeln gelassen wird, ist das der Spannung eher ab- als zuträglich.
Visuell gelang es dem Film durchaus, einen moderneren Look als bei Hammer üblich zu etablieren. David Watkins Kameraarbeit ist gut, teilweise sehr pointiert und in einer Szene, in der Nastassja Kinski im Rausch durch London irrt, mit entfesselter Handkamera geradezu psychedelisch. Auch Regisseur Peter Sykes schafft es, eine Menge Stimmung aus realen Location zu entwickeln. Statt für einen bombastischen Orchesterscore entschied man sich bei Hammer zudem für eine moderne, minimalistische Aventgardemusik aus der Feder von Paul Glass, die in verstörenden Szenen durchaus Eindruck macht.
Für eine Wiederentdeckung und gegebenenfalls Neubewertung von DIE BRAUT DES SATANS ist die neue Bluray aus dem Hause Anolis perfekt geeignet. Sie erschien in einer simplen Amaray-Variante wie auch als schickes Mediabook mit drei verschiedenen Covern als Nr. 26 der Hammer-Edition. Das HD-Bild (16:9/1,66:1) ist hervorragend und auch an den beiden Tonspuren (Deutsch/Englisch) gibt es nichts zu meckern.
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To The Devil A Daughter | Großbritannien / Deutschland 1976 | Regie: Peter Sykes | Darsteller: Richard Widmark, Christopher Lee, Nastassja Kinski, Denholm Elliott, Michael Goodliffe, Honor Blackman u.a.
Anbieter: Anolis Entertainment